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Folge 15: Ist Rauchen eine Sucht? Macht Nikotin abhängig?

Veröffentlicht am 20.07.17

Andy und Dr. Rupp beim Podcast-Interview
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Ist Rauchen tatsächlich eine richtige Sucht und vergleichbar mit einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit? Oftmals sprechen Raucher von ihrer „schlechten Angewohnheit“. Ist Rauchen eine Sucht oder eine Angewohnheit? Mit Tabakentwöhner Dr. Rupp sprechen wir über das Thema Rauchen und Abhängigkeit. Was macht das Nikotin in unserem Körper und wie schafft man es, sich aus der Nikotinsucht zu befreien. Erfahre, wie Du Deine eigene Tabakabhängigkeit testen kannst.

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Zusammenfassung

Die Frage ob das Rauchen eine echte Sucht ist wird kontrovers Diskutiert. Die einen behaupten Nikotin erzeuge eine klassische Abhängigkeit, die anderen sehen das Rauchen eher als schlechte Gewohnheit. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Auf der Verhaltensebene scheint das Rauchen eine Angewohnheit zu sein. Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass das Rauchverhalten an Triggern gebunden ist. Zum Beispiel wird das Rauchen häufig stark mit dem Kaffee trinken in Verbindung gebracht, sodass das Kaffen trinken, an sich einen Rauchimpuls auslösen oder verstärken kann. Selbes kann auch für das Mittagessen oder für Stress gelten. Hier handelt es sich wie bei dem pawlowschen Versuchen mit dem Hund und der Glocke, um eine Kopplung und somit um eine Angewohnheit. So wie einige sich am Sonntagnachmittag bereits auf den Kuchen freuen und schon ein körperliches Verlangen spüren, freut sich ein Raucher morgens nach dem Aufstehen, beim Einschalten der Kaffeemaschine, auf die Zigarette die ihn erwartet.

Schlechte Gewohnheit oder echte Sucht?

Auf der anderen Seite gibt es aber auch neurobiologische, messbare Hinweise für eine Anhängigkeit. Das Nikotin kann im Gehirn wirken und diese Wirkung möchte der Raucher immer wieder erzeugen. Alle Drogen wirken auf das Belohnungssystem im Gerin und erzeugen ein wohliges Gefühl nach dem Konsum. In Abhängigkeit davon wie häufig diese Droge konsumiert wird und welche positiven Effekte mit dieser Droge hervorgerufen werden, möchte man dieses Gefühl durch die Droge immer wieder erzeugen. Da das Nikotin auf das Belohnungssystem im Gehirn wirkt, handelt sich beim Rauchen auch um eine Sucht, die aber größtenteils psychisch und weniger körperlich ist. Daher ist die Nikotinsucht kaum mit anderen starken körperlichen Süchten, wie einer Heroinsucht zu vergleichen. Viele Raucher, auch Kettenraucher, schaffen es für viele Stunden, beispielsweise während eines Fluges oder einer langen Besprechung, nicht zu rauchen. Zum Teil sogar für wenige Tage. Wenn eine Abhängigkeit zu Grunde liegt, kommt danach aber Rasch die Entzugssymptomatik durch und der Raucher greift wieder zur Zigarette um das Belohnungssystem zu stimulieren.

Wie süchtig bist Du wirklich?

Der Grad der Abhängigkeit ist messbar. Ein Indiz kann zum Beispiel die Stärke des Rauchverlangens sein, also der Druck zur Zigarette zu greifen. Je höher dieser Druck, desto wahrscheinlicher besteht eine Sucht. Der Raucher kann also zum Teil seine eigene Abhängigkeit abschätzen. Es gibt aber auch körperliche Anhaltspunkte für die Stärke der Nikotinabhängigkeit. Die Stärke der Entzugserscheinungen nach einem Aufhörversuch gibt Rückschlüsse über den Grad der Abhängigkeit. War man zum Beispiel besonders nervös, aggressiv, hatte man Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten? Je stärker die Symptome aufgeprägt sind, desto Stärker ist in der Regel die Sucht.
Aber welcher Aspekt wiegt nun stärker? Was kettet den Raucher stärker an die Zigarette. Die Sucht oder die Gewohnheit? Dies ist von Raucher zu Raucher unterschiedlich.  Bei einigen Rauchern besteht eine starke psychische Abhängigkeit. Hier kann es sinnvoll sein eine Beratung von einem Arzt einzuholen und eine medikamentöse Behandlung zu erwägen. Denn solange die psychische Abhängigkeit zu einer starken Unruhe führt, ist es schwierig sich auf ein neues Verhalten einzulassen. Viele Raucher sind jedoch viel stärker von ihrem Verhalten und ihren Gewohnheiten gelenkt. Solche Raucher profitieren kaum von Medikamenten, sondern viel mehr von einem Verhaltenstraining. Im Verhaltenstraining werden stark gekoppelte Gewohnheiten wie Rauchen und Kaffee oder Stress und Zigarette wieder entkoppelt. Die Raucher lernen dort wieder, dass sie ganz ohne Zigarette auf den Bus warten können. Denn diese antrainierten Kopplungen lassen sich nach ausreichender Wiederholung wieder einfach entkoppeln.
Ein Test den jeder Raucher machen kann um mehr über den Grad seiner Abhängigkeit zu erfahren ist der sogenannte Fagerström-Test. Dieser wissenschaftlich fundierte Test für Zigarettenabhängigkeit besteht aus 6 Fragen und kann relativ zuverlässig bestimmen, ob es sich um eine leichte, mittelstarke oder schwere Sucht handelt. Eine  weitere Aufgabe die jeder Raucher machen kann, um mehr über sein Rauchverhalten zu erfahren, ist es sich eine Rauchsituation vorzunehmen und in nur dieser Situation bewusst nicht zu rauchen. Viele Raucher merken daraufhin, dass sich die Gewohnheit während einer bestimmten Situation zu rauchen wieder relativ schnell entkoppeln lässt. Diese Aufgabe kann das Fünkchen Selbstvertrauen schaffen, die einige Raucher benötigen um sich andere Rauchsituationen vorzunehmen und letztendlich ein für alle Mal rauchfrei zu werden.

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