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Folge 14: Beeinflusst Rauchen unsere Gene?

Veröffentlicht am 06.07.17

Andy und Isabel beim Podcast-Interview
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Das Rauchen irgendwie nicht gerade gesundheitsförderlich ist, weiß wohl jeder. In dieser Podcastfolge geht es um das spannende Thema, ob und wie Rauchen sogar unsere Gene beeinflusst und was dies für Folgen haben kann. Dazu haben wir Biologin und angehende Ernährungswissenschaftlerin Isabel Dorst zum Interview eingeladen. Erfahre, warum es sich in doppelter und sogar dreifacher Weiße lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören.

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Zusammenfassung

Dass Rauchen alles andere als gesund ist, ist heutzutage gut belegt und allgemein bekannt. Rauchen scheint allerdings auch, über die reine Auswirkung auf den Körper hinaus, negative Folgen mit sich zu bringen. Das Forschungsfeld der Epigenetik, gibt dazu interessante Einblicke. Epigenetik bedeutet so viel wie „auf den Genen“ und beschreibt die Art und Weise wie Gene abgelesen werden können. Konkret scheint das Rauchen, auf das Ablesemuster der Gene, Einfluss zu haben. Das kann nicht nur zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen für den Raucher, sondern auch für die Kinder des Rauchers und sogar auf die Enkelkinder des Rauchers haben.

Unsere Gene bestimmen nicht alleine unser Schicksal

Man kennt es noch aus der Schule: Die DNA trägt unsere Gene und somit die Informationen oder den Bauplan für unseren Körper. Jahrzehnte lang glaubten Wissenschaftler, dass man durch die Entschlüsselung unserer DNA letztendlich den Schlüssel zu allerhand Krankheiten finden würde. Als die Wissenschaftler das gesamte Genom letztendlich entschlüsselt hatten, waren die Resultate ernüchternd. Denn unserer Gene bestimmen unsere Gesundheit nur bis zu einem gewissen Grad. Die  allermeistern Erkrankungen lassen sich kaum auf Grund der Genen vorhersagen. Jedoch scheinen die Umwelt und der Lebensstil für viele Krankheiten eine sehr viel entscheidendere Rolle, als die Gene an sich, zu spielen. Wissenschaftler fanden letztendlich eine Verbindung  zwischen Lebensstil und Genetik, die heute als Epigenetik bezeichnet wird. Unsere DNA ist ein fadenförmiges Molekül, das in jeder Zelle dicht gepackt ist. Die DNA wir hierfür um murmelartige Moleküle gewickelt. Je nachdem wie sie eng oder locker sie an bestimmten Stellen gewickelt ist, kann sie besser oder schlechter abgelesen werden. Und genau diese Wickelung, die die Ablesbarkeit unserer Gene bestimmt, wird von unserem Lebensstil beeinflusst. Zu diesen Lebensstilfaktoren, die die Ablesbarkeit unserer Gene beeinflussen, gehören zum Beispiel Ernährung, Bewegung, psychische Traumata und nicht zuletzt das Rauchen.

Wie wir die Gesundheit unserer Kinder und Enkelkinder beeinflussen können

Dass der Lebensstil einen Einfluss auf die eigene Gesundheit hat, ist nichts Neues. Interessant an der Epigenetik ist jedoch, dass sie, wie auch unsere Gene, bis zu einem gewissen Grad, von Generation zu Generation übertragbar ist. Es sind bisher drei Ebenen der Epigenetik bekannt.  Zum einen die eigene Prägung, also die Art und Weise, wie der eigene Lebensstil die eigenen Gene und die eigene Gesundheit beeinflusst. Diese Prägung ist in der Regel nicht permanent, mit Ausnahme von Ereignissen in der frühen Kindheit wie schwere Traumata, die genetische Prägungen bis ins späte Alter verursachen können. Die zweite Ebene der Epigenetik ist die sogenannte pränatale Prägung. Hier wird der Embryo schon im Mutterleib vom Verhalten der Mutter geprägt. Diese Einflüsse können die Ablesbarkeit der Gene des Kindes, bis ins hohe Alter prägen. Rauchende Mütter setzen ihre ungeborene Kinder, über diesen Weg, bestimmten Gesundheitsrisiken aus. Durch das Rauchen können Gene die im Zusammenhang mit Allergien stehen, beim Kind anders reguliert werden, wodurch ein erhöhtes Allergierisiko bestehen kann. Auch Gene, die für eine Nikotinsucht anfälliger machen, könne  durch das Rauchen in der Schwangerschaft anders reguliert werden. Die Beobachtung, dass Kinder von Rauchern häufiger selbst zu Rauchen werden, hat demnach wohl auch epigenetische Ursache.

Auch Männer stehen in der Verantwortung

Der Einfluss, der durch den Lebensstil, auf die epigenetische Prägung der Kinder genommen werden kann, beschränkt sich aber nicht nur auf die werdende Mutter. Auch der Mann hat über die Epigenetik seiner Spermien einen Einfluss auf die Prägung des Kindes. Und dies auch schon lange vor der Zeugung. Ideal ist es, wenn sowohl die Frau als auch der Mann, schon Monate vor der Zeugung das Rauchen aufgeben und einen gesunden Lebensstil pflegen.
Die dritte Ebene der Epigenetik betrifft nicht nur die eigenen Gene und die Gene der Kinder, sondern sogar die Gene der Kindes-Kinder. Diese Ebene nennt man transgenerationelle epigenetische Vererbung. Denn schon ein Embryo besitzt bereits Keimzellen. Bei Frauen sind es die Eizellen und bei Männern die Spermien. Und diese Zellen können bereits während der Schwangerschaft geprägt werden. Somit kann theoretisch die Gesundheit der potentiellen Enkelkinder über die Epigenetik beeinflusst werden.
Viele dieser Theorien, sind jedoch noch nicht eindeutig belegt oder nur an Tieren erforscht worden. Es gibt jedoch allerhand anderer gut belegter Gesundheitsrisiken, denen man sich und die Kinder, durch das Rauchen aussetzt. Die Epigenetik und der negative Einfluss den das Rauchen darauf nehmen kann, sind jedoch interessante Forschungsfelder, die zum Nachdenken anregen und mehr Verantwortung in die eigenen Hände legen.

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