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Folge 18: Wie sieht es mit dem Nichtraucherschutz in Deutschland aus?

Andy und Sebastian Frankenberger beim Podcast-Interview
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Wer könnte zu diesem Thema besser Rede und Antwort stehen als Sebastian Frankenberger – auch als „Mister Nichtraucherschutz“ bekannt. Mit ihm sprechen wir in dieser Podcast-Folge über den Nichtraucherschutz in ganz Deutschland und natürlich auch über das Volksbegehren, das Herr Frankenhauser damals in Bayern imitiert hat. Er erzählt uns viel über seine persönlichen Beweggründe und gibt Tipps, wie man es schaffen kann, Nichtraucher zu werden. Seine wie unsere Devise – jeder kann es schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören!

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Zusammenfassung

Sebastian Frankenberger ist zu Gast bei den NichtraucherHelden und berichtet über sein Engagement für den Nichtraucherschutz in Bayern. Bekanntheit erlangte er in den Medien als Mister Nichtraucher, als er sich vor einigen Jahren öffentlich für den Nichtraucherschutz in seiner Heimat stark machte. Im Jahr 2008 verabschiedete die CSU in Bayern das strengste Nichtraucherschutzgesetz Deutschlands. Ganz zu Sebastians Freude. Zunächst wurde der Nichtraucherschutz erfolgreich und konsequent eingehalten. Nach der Zeit wurden jedoch die ersten Ausnahmeregelungen getroffen. Der Nichtraucherschutz sollte nach dem Wahlverlust der CSU sogar ganz aufgelöst werden. Dies veranlasste Sebastian Frankenberger dazu, als Stimme der Nichtraucher aktiv zu werden und initiierte ein Volksbegehren, sammelte Unterschriften und ermöglichte so einen Volksentscheid, in dem Bayer für einen uneingeschränkten Nichtraucherschutz stimmte. Seitdem darf in Bayer weder in Restaurants, noch in Kneipen oder Festzelte geraucht werden.

Sebastian Frankenberger: Held der Nichtraucher oder personifizierte Spaßbremse?


Sebastian Frankenberger ist überzeugter Nichtraucher, er trinkt keinen Alkohol und ist zudem Vegetarier. Selbstironisch bezeichnet er sich selbst als die personifizierte Spaßbremse. Er stellt jedoch klar, dass er sich selbst nicht als militanten Nichtraucher sieht. Als Fremden- und Gästeführer verkehrt er jedoch häufig beruflich in Restaurants und litt daher selbst viele Jahre unter den mangelnden Rauchverboten in Bayern.
Besonders die Inkonsistenz im bayrischen Nichtraucherschutz und die ständigen Lockerungen der Vorgaben, lösten in Sebastian Unmut aus. Daher plädiert er für eine klare Linie. Er sagt ein uneingeschränkter Nichtraucherschutz habe sich als bester Weg erwiesen. Alle wüssten woran sie sind. Sowohl Wirte, als auch Gäste. Jahre nach der Durchsetzung eines uneingeschränkten Nichtraucherschutzes, seien sogar viele Raucher mit der Gesetzeslage zufrieden und würden die Vorteile des Nichtraucherschutzes genießen.

Morddrohungen durch Rauchverbote?


Vor einigen Jahren sah es jedoch ganz anders für Sebastian aus. Als das Thema hochaktuell in Bayern diskutiert wurde, standen Anfeindungen an der Tagesordnung. Morddrohungen, Stalking und andere feinselige Taten, führten sogar dazu, dass Sebastian zeitweise unter Polizeischutz stand. Nach der Zeit lernt er immer gelassener auf Anfeindungen zu reagieren. Lediglich in Extremfällen, zum Beispiel bei Morddrohungen oder Nationalsozialistischen Vergleichen, sieht er sich noch hin und wieder dazu gezwungen die Justiz einzuschalten.
Sebastian war über lange Zeit politisch aktiv. Die vielen Kontroversen um seine Person und vor allem anonymen Anfeindungen im Netz führten letztendlich dazu, dass er sich immer weiter aus  der deutschen Politik zurückzog. Das Gefühl nicht mehr gern gesehen zu sein konnte er auch mit seinem dicken Fell irgendwann nicht mehr abwehren, sodass  er sich aus Deutschland zurückzog und mittlerweile in Österreich beruflich und sogar zunehmend wieder politisch, insbesondere tourismuspolitisch, aktiv ist. Ironischerweise hat seine neue Heimat Österreich, noch keinen Nichtraucherschutz. Sebastian ist jedoch zuversichtlich, dass auch Österreich sich irgendwann dem europäischen Standard angleichen und einen Nichtraucherschutz durchsetzen wird.

Deutschland: Ein Fleckerleppich des Nichtraucherschutzes


Doch auch die flächendeckende Durchsetzung des deutschen Nichtraucherschutz liegt Sebastian noch immer am Herzen. In seinen Augen war es ein Fehler, dass die Politik im Jahr 2007 den Nichtraucherschutz zur Ländersache erklärte. In seinen Augen spielte die Angst vor Stimmenverlusten auf Bundesebene eine entscheidende Rolle darin, die Verantwortlichkeit über dieses sehr emotional diskutierte Thema, abzugeben. Das führte dazu, dass Deutschland heute in Sachen Nichtraucherschutz einem „Fleckerlteppich“ gleicht. Während einige Bundesländer wie NRW einen strengen Nichtraucherschutz haben, lassen andere Bundesländer wie Baden-Württemberg & Berlin Sonderregelungen walten und in wiederum anderen Bundesländern ist der Nichtraucherschutz noch so gut wie gar nicht gegeben. In Sebastians Augen sollten Themen des Gesundheitsschutzes bundesweit, wenn nicht sogar europaweit, einheitlich geregelt werden. Dass ein uneingeschränkter Nichtraucherschutz funktionieren kann, zeigen Länder wie Irland, Italien & Spanien. Für Sebastian sind das klare Indizien dafür, dass ein strenger Nichtraucherschutz auch in Deutschland machbar wäre.
Höhere Aufhörquoten und eine sinkende Raucherquote bei Jugendlichen führt Sebastian nicht zuletzt auch auf den verschärften Nichtraucherschutz zurück. Dies sieht er aber nicht als seinen persönlichen Verdienst. Für ihn haben alle Personen die sich dafür eingesetzt haben, also auch alle Wähler des Bürgerentscheids, einen Beitrag zu diesen positiven Entwicklungen geleistet.

Nichtraucherschutz ist nicht genug!


Neben diesen positiven Entwicklungen gibt es in Deutschland was das Rauchen angeht jedoch noch einigen Baustellen. Die Regelungen zur Tabakwerbung sind in seinen Augen viel zu locker. Finanzierungen von Raucherkongressen und Werbungen vor Schulen, veranlassen Sebastian dazu sich zu frage, worum es der Politik eigentlich geht. Denn in seinen Augen bringt die Zigarette absolut nichts Positives mit sich. Alle vermeintlichen finanziellen Vorteile durch Werbung oder Steuereinnahmen werden seiner Meinung nach durch anfallende Kosten im Gesundheitssystem bei weitem aufgewogen. Auch vor dem Gedanken eines kompletten Zigaretten Verbots schreckt Sebastian nicht zurück.
Alle noch rauchenden Personen möchte er dazu herausfordern sich zu fragen, was man dem Körper durchs Rauchen antut und die persönlichen Gründe für das eigene Rauchverhalten zu ergründen. Nach seiner Auffassung ist das Rauchen eine Gewohnheit und der Rauchausstieg eine mentale Herausforderung, weshalb er Online Programme wie Nichtraucherhelden.de, die sich auf Verhaltenstraining fokussieren, sehr schätzt. Er empfiehlt Rauchern, das Leben in die eigene Hand zu nehmen, nicht auf Werbung und Lobbisten hereinzufallen, sondern die eigenen Ausreden beiseite zu stellen um endlich rauchfrei zu werden.


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