Raucherentwöhnung und Medikamente - hilfreich oder unnütz?


Nicht immer ist das Rauchen aufhören so leicht, wie man sich das als Außenstehender vielleicht vorstellt. Vielleicht hast auch Du schon zahlreiche Aufhörversuche mit diversen Mittelchen, Helferlein und Programmen hinter Dir. Schnell kann dies dazu führen, dass die Motivation nachlässt und einen der Mut verlässt. Vermutlich hast Du aber einfach das für Dich passende Programm noch nicht gefunden, das mit der notwendigen Professionalität auch bei Dir zu einem langanhaltenden Erfolg führt. Unter Umständen könnten Dir aber auch Medikamente bei der Raucherentwöhnung helfen. Hier solltest Du Dich aber gut informieren und vor allem Deinen Arzt oder einen Apotheker zu Rate ziehen, bevor Du zu entsprechenden Medikamenten greifst.

von Dr. rer. nat. Yvonne Heilemann


Wer profitiert von einer Raucherentwöhnung mit Einsatz von Medikamenten?

Eine medikamentöse Therapie bei der Raucherentwöhnung ist nicht für jeden Raucher auf dem Weg zum Nichtraucher ein Muss bzw. sinnvoll. Ein paar Kriterien liegen aber vor, bei denen eine medikamentöse Therapie anzuraten bzw. über diese nachzudenken ist. Zu den Personen, die von einer medikamentösen Therapie bei der Raucherentwöhnung profitieren, gehören folgende Personengruppen:

  • Abhängige Raucher mit einem Fagerström Test von größer oder gleich 6

  • Raucher, die bei früheren Aufhörversuchen Entzugssymptome (Gereiztheit, Nervosität, Schlafstörungen

  • oder starkes Carving) entwickelt haben

Genauere Informationen hierzu kann Dir Dein Arzt oder Apotheker geben.

 

Präparate auf dem Markt zeigen erhebliche Unterschiede

Nicht alle am Markt angebotenen Medikamente zur Raucherentwöhnung sind auch gleichermaßen dafür geeignet. Außerdem kann auch Deine ganz persönliche Krankheitsgeschichte und weitere Aspekte die für Dich sinnvolle Auswahl an Medikamenten einschränken. Daher ist genau darauf zu achten, welche Wirkstoffe zu empfehlen sind und was bei der Anwendung der entsprechenden Medikamente beachtet werden muss. 

Medikamente reduzieren Entzugssymptome und Rauchverlangen

Möchtest Du mit dem Rauchen aufhören und dabei unterstützend Medikamente einsetzen, so hast Du die Wahl zwischen drei pharmakologischen Ansätzen. 

Der erst genannte Ansatz stellt Nikotinersatzpräparate dar, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Bei den beiden anderen Ansätzen handelt es sich um die zwei in Deutschland zugelassenen rezeptpflichtigen Medikamente zur Tabakentwöhnung. Die Kosten dieser Medikamente dürfen von der Krankenkasse wegen des Gesetzes § 34 SGB V nicht erstattet werden. 

 

Medikamente könnten Entzugssymptome lindern

Nikotinpräparate reduzieren Entzugssymptome

Nikotinpräparate, wie Nikotinpflaster, Kautabletten und Nikotinkaugummis oder das Nikotinsprays, dienen hauptsächlich dazu die Entzugssymptome der Raucherentwöhnung zu reduzieren. So sollen sie Symptome, wie Nervosität, Anspannung und depressive Verstimmungen und starkes Rauchverlangen minimieren. Sie sind zwar apothekenpflichtig, aber rezeptfrei zu erhalten. Dennoch ist eine vorherige Beratung durch deinen Arzt oder Apotheker anzuraten. Solltest Du Dich dafür interessieren, schaue gerne in unseren Artikeln zu Nikotinersatzprodukten nach, um nähere Informationen zu erhalten. 

Ein wichtiger Aspekt sei aber bereits hier genannt: Nikotinersatzpräparate dürfen in keinem Fall bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie einem Herzinfarkt in den letzten drei Monaten, einer instabilen Angina pectoris, schweren Herzrhythmusstörungen, einem akuten Schlaganfall, eingeschränkter Funktion der Niere oder Leber oder aber Geschwüren in Magen oder Zwölffingerdarm eingenommen werden. 

Wirkstoff Bupropion

Bupropion ist im Medikament Zyban® enthalten und ist ein Antidepressivum. Es wird in Tablettenform in der ersten Therapiewoche einmal, ab Tag 8 dann zweimal täglich eingenommen. Die  Behandlung beginnt somit eine Woche vor dem Rauchstopp und wird für 7 Wochen fortgeführt. Gemäß Studienlage sind die Erfolgsaussichten bei der Raucherentwöhnung mit Bupropion ähnlich hoch, wie mit Nikotinersatzpräparaten. Es ist allerdings zu beachten, dass Bupropion zu teilweise gefährlichen Nebenwirkungen führen kann und auch mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen aufweisen kann (z.B. Betablockern (Metoprolol), Herzrhythmusmedikamenten (Propafenon, Flecainid), Clopidogrel und Ticlopidin, verschiedenen Antidepressiva und Antipsychotika) Tw. Müssen die Dosierungen der Medikamente unter Therapie mit Bupropion angepasst werden.Dieses Medikament ist daher auch nur per ärztlichem Rezept erhältlich und sollte auch nur unter Überwachung eines in der Anwendung erfahrenen Arztes eingenommen werden. 

 

Beratung durch Arzt oder Apotheker sinnvoll

 

Wirkstoff Vareniclin 

Seit März 2007 ist der Wirkstoff Vareniclin in Deutschland zur Raucherentwöhnung zugelassen. Die Zulassung bezieht sich dabei auf eine Anwendungsdauer über 12 Wochen, mit der Möglichkeit, Die Therapieum weitere 12 Wochen zu verlängern bei Abstinenz. In jedem Fall sollte die Behandlung nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Auch hier beginnt die Behandlung vor dem eigentlichen Rauchstopp, in der ersten Therapiewochewird die Dosis schrittweise erhöht. In der zweiten Therapiewoche sollte der Rauchstopp erfolgen. Ebenso wie Bupropion ist auch Vareniclin ein apotheken- und rezeptpflichtiges Medikament, das nur durch vorherige ärztliche Beratung verschrieben wird und eingenommen werden sollte. Vareniclin ist in dem Medikament Champix® enthalten. Die Wirkweise dieses Stoffes beruht darauf, dass Vareniclin, ebenso wie Nikotin selbst, an dem alpha4beta2-Nikotinrezeptorn ansetzt und diesen partiell aktivieren kann. Vareniclin ahmt die belohnend wirkenden Eigenschaften des Nikotins nach, indem es zu einer Verstärkung der Ausschüttung des Glückshormons Dopamin beiträgt. Durch dieses nikotinähnlichen Wirkungen kann Vareniclin die Entzugserscheinungen beim rauchen aufhören abmildern.

Die Wirksamkeit von Vareniclin wurde in sechs verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsstudien verglichen mit einem Placebo untersucht. Gegenüber Placebo führte Vareniclin zu einer Verdreifachung der Aufhörraten. Zwei Studien untersuchten die Wirksamkeit von Vareniclin außerdem im Vergleich zum Wirkstoff Bupropion. Dabei konnte fast eine Verdopplung der Aufhörraten erzielt werden. Gemäß dieser Studie zeigte Vareniclin also eine bessere Wirksamkeit in der Tabakentwöhnung als der Wirkstoff Bupropion. So betrugen die Abstinenzzahlen nach 12 Wochen unter Vareniclin 44%, unter Bupropion 30 % und unter Placebo 17 %. Nach einem Jahr sanken die Quoten in allen drei Gruppen ab und lagen noch bei ca. 21 %, 15 % und 9 %. Auch hier war Vareniclin also der Spitzenreiter. Es muss allerdings erwähnt werden, dass auch immer wieder von relevanten Nebenwirkungen bei Einnahme von Vareniclin berichtet wurde. Hierzu gehörten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Albträumen, Konzentrationsstörungen und Gereiztheit. Es ist daher notwendig, dass der Arzt vor Verschreiben des Medikaments eine Risiko-Nutzen-Analyse vornimmt. 

 

Fazit

Wer möchte es nicht, endlich weniger rauchen ohne Entzugssymptome? Gemäß den Empfehlungen der deutschen Ärzteschaft sollte Nikotineratzpräparaten gegenüber verschreibungspflichtigen Medikamenten, wie den Wirkstoffen Bupropion und Vareniclin der Vorrang gegeben werden. Bei schwerer Abhängigkeit und bei starken Entzugssymptomen, die den Rauchstopp gefährden sollten auch die verschreibungspflichtigen Medikamente in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden. Nicht immer ist aber überhaupt ein Einsatz von Medikamenten notwendig. Du solltest Dich hier unbedingt eingehend vom Arzt Deines Vertrauens beraten lassen. Ob mit oder ohne Einsatz von Medikamenten zur Raucherentwöhnung, das Allerwichtigste beim Rauchstopp ist und bleibt Dein fester Wille und unbändiger Entschluss mit dem Rauchen aufhören zu wollen und die gute Vorbereitung auf den Rauchstopp. Denn Rauchen aufhören beginnt im Kopf. Insbesondere professionell betreute Programme zeigen sehr gute und vor allem lang anhaltende Erfolgsaussichten. Schließlich willst Du nicht nach wenigen Wochen wieder zum Raucher werden, sondern im Idealfall für Dein restliches Leben, Nichtraucher sein.

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Dr. rer. nat. Yvonne Heilemann

Yvonne ist seit vielen Jahren in Wissenschaft und Forschung tätig. Mit aktuellen Studien und neuesten Erkenntnissen rund um die Themen Gesundheit, Rauchen und Ernährung kennt sie sich bestens aus. Gerne möchte sie ihr Wissen mit Euch teilen.

Kommentare

Tanja

08.03.2020

Ich habe es ohne Hilfmittel geschafft und bin sehr froh darüber. Da muss aber jeder seinen eigenen Weg finden... Bei sehr starkem Rauchverlangen können Nikotinersatzprodukte einem sicherlich helfen. Egal wie, mit dem Rauchen aufzuhören ist auf jeden Fall immer die richtige Entscheidung!

Laura M.

10.03.2020

Ich möchte gerne mit dem Rauchen aufhören, aber ich habe wirklich Angst vor schlechter Laune bzw. sogar depressiven Verstimmungen… Mal sehen, vielleicht versuche ich es ja mit Zyban.

Team NichtraucherHelden.de

10.03.2020

Hallo, Lara. Du musst natürlich selbst entscheiden, ob Du für Deinen Rauchstopp Medikamente nutzen möchtest. Wie im Text beschrieben bringt der Wirkstoff Bupropion aber einige Nebenwirkungen mit sich. Auf jeden Fall solltest Du mit Deinem Arzt darüber sprechen. Er kann Dich dann beraten und Dir ein passendes Medikament verschreiben. Ist Deine Angst denn in früheren Aufhörversuchen begründet? Wenn nicht, wird der Rauchstopp vielleicht viel leichter als Du erwartest!

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