Gesunde Zigaretten!? Ist die E-Zigarette schädlich?


E-Zigaretten werden immer populärer. Doch die Wenigsten wissen, was genau es damit auf sich hat. Wie funktionieren sie? Ist die die E-Zigarette schädlich oder ist sie gesünder als die normalen Zigaretten? Animieren sie sogar Nichtraucher mit dem Rauchen anzufangen?

von Dr. rer. nat. Yvonne Heilemann


E-Zigaretten sind auf dem Vormarsch? Doch was sind ihre Risiken?


Elektrische Zigaretten, sogenannte E-Zigaretten, liegen voll im Trend. Immer mehr Menschen werden von ihrer scheinbaren Ungefährlichkeit angezogen, oder steigen deshalb von der konventionellen auf die elektrische Zigarette um. 2015 haben bereits 6 % der Bevölkerung E-Zigaretten ausprobiert. Auch viele Jugendliche rauchen; unter ihnen sind die Zahlen der E-Zigaretten-Konsumenten deutlich höher. Hier hat fast ein Drittel E-Zigaretten oder E-Shishas schon mindestens einmal getestet, unter ihnen sind auch viele eigentliche Nichtraucher. Diese neuartigen Tabakprodukte sind also voll im Trend. Doch welche Gefahren bergen sie in sich?

Was sind E-Zigaretten und was unterscheidet sie von normalen Zigaretten?

Durch E-Zigaretten wird mit technischen Hilfsmitteln das Rauchen quasi simuliert. Sie bestehen aus einem Akku, einem Vernebler als elektrisches Heizelement und aus einer Kartusche, in der das Liquid, also die zu verdampfende Flüssigkeit, enthalten ist. Indem man am Mundstück saugt, kommt es unter Wärmeeinwirkung zur Vernebelung und dem Dampfen des Liquids. Der entstehende Dampf wird eingeatmet.

 

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Im Gegensatz zur normalen Zigarette wird bei der E-Zigarette kein Tabak verbrannt. Daher wird damit geworben, dass sie eine gesündere Alternative zur konventionellen Zigarette darstellen sollen und auch das Passivrauchen ungefährlich machen. Aber nicht nur das. Sie werden sogar als Hilfsmittel zur Tabakentwöhnung beworben, um auf einfachem Wege rauchfrei zu werden. Sind E-Zigaretten also gar nicht schädlich? Geht gesünder rauchen mit E-Zigaretten tatsächlich?

E-Zigaretten sind nicht harmlos

Es wird immer wieder damit geworben, dass E-Zigaretten weniger Schadstoffe als herkömmliche Tabakprodukte enthalten, da sie selbst nicht aus Tabak bestehen. Sie sind in Wirklichkeit aber keinesfalls als gesundheitlich unbedenklich einzustufen - Tabak oder nicht, Schadstoffe sind dennoch zu genüge enthalten. Dies gilt laut Studienergebnissen selbst für E-Zigaretten mit nikotinfreier Flüssigkeit. Tatsächlich fällt das Verbrennungsprodukt Teer bei E-Zigaretten im Vergleich zu normalen Tabakzigaretten weg. Gerade Teer ist für seine krebsfördernde Wirkung bekannt und kann eine chronische Lungenerkrankung verursachen. Die bei E-Zigaretten entstehenden Dämpfe enthalten aber durchaus verschiedene gesundheitsgefährliche Substanzen. Dabei können einzelne Stoffe sogar ähnlich hohe oder sogar höhere Konzentrationen wie im Tabakrauch erreichen. Wie viele Schadstoffe letztlich genau im inhalierten Dampf enthalten sind, und damit wie hoch das Gesundheitsrisiko ist, kommt sehr auf die Betriebsbedingungen an. Relevant sind hierbei die Chemikalien des Liquids, die Gerätetechnik sowie das Nutzerverhalten.

 

Chemikalien in E-Zigaretten bergen Gesundheitsrisiko

Das verdampfte Liquid in E-Zigaretten stellt ein Gemisch von verschiedenen Chemikalien und Aromastoffen dar. Hauptbestandteile sind dabei Propylenglycol und Glyzerin, sowie natürlich auch Nikotin. Beim Dampfen werden auch diverse Aromastoffe inhaliert, die je nach Vorliebe von Vanille über Kirsche und Schokolade variieren können. Den enthaltenen Aromastoffen ist der entsprechende Geruch und Geschmack zuzuschreiben. Außerdem wird häufig auch Nikotin in unterschiedlichen Mengen zugesetzt. Es gibt aber auch nikotinfreie Produkte.

Propylenglycol kann in der vernebelten Form die Atemwege reizen. Als Kurzzeitfolgen des Konsums von E-Zigaretten auf die Gesundheit wurden aufgrund von Polypropylenglycol daher Atemwegsreizungen, Husten, sowie eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion beschrieben. Gerade bei Jugendlichen könnten E-Zigaretten auch das Asthmarisiko erhöhen. Die eingesetzten Aromastoffe sind in der Regel im Lebensmittelbereich zugelassen. Dies stellt aber nicht sicher, dass sie auch in vernebelter Form des Dampfens für die Gesundheit unbedenklich sind. So können bestimmte Aromastoffe laut Forschungsergebnissen Kontaktallergien oder Entzündungen der Atemwege auslösen. Nikotin wiederum ist nicht nur das Nervengift, das abhängig macht, sondern Nikotin steht auch im Verdacht krebserregend zu wirken. Studien zu Langzeiteffekten von E-Zigaretten auf Raucher sowie durch Passivrauchen gibt es bisher leider nicht.

Seit einiger Zeit ist zudem das unheilvolle Dreiergespann aus E-Zigaretten, der Chemikalie Diacetyl und der sogenannten "Popcorn-Lunge", einer lebensbedrohlichen, nicht heilbaren Entzündung der Bronchien der Lunge, in aller Munde. Viele Dampfer beunruhigt dieser auf einer Studie von Harvard-Forschern basierende Zusammenhang zutiefst. Diacetyl soll das Dampfen zusätzlich gefährlich machen. Ob und inwiefern dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, bleibt noch umstritten, da es bisher nicht ausreichend untersucht ist, ob und wie viel dieser Chemikalie die einzelnen Tabakprodukte enthalten und welchen Einfluss sie damit auf den Dampfer und seine Gesundheit haben. Eines bleibt aber unumstritten: gesund ist das Dampfen sicherlich nicht! Rauchfrei zu sein und zu bleiben ist die gesündeste Alternative.

 

E-Zigaretten gibt es in vielen Ausführungen. Oft dienen sie als Ersatz der normalen Zigarette

Nutzer und Gerät beeinflussen das Risiko

E-Zigaretten-Modelle variieren stark. Besonders die neueren Modelle weisen eine höhere Batterieleistung sowie ein größeres Kartuschenvolumen auf. Durch die höhere Spannung entstehen auch höhere Temperaturen, wodurch pro Atemzug mehr des Liquids verdampft und damit inhaliert wird. Je höher die Verdampfertemperatur desto größer das Risiko, dass krebserregende, gefährliche Stoffe entstehen. Gesundheitlich relevant ist dabei vor allem Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein. Formaldehyd wird als stark krebserregend eingestuft. Acetaldehyd und Acrolein reizen die Schleimhäute und können vermutlich Lungenkrebs fördern. Die Entstehung dieser Stoffe kann auch begünstigt werden, wenn der Füllstand der Kartusche gering ist und damit hohe Erhitztemperaturen entstehen. Besonders bei Produkten ohne Füllstandanzeige ist dies problematisch.

Das Gesundheitsrisiko von E-Zigaretten hängt auch davon ab, wie sie genutzt werden. Geübte Nutzer inhalieren stärker als „Anfänger“ und verwenden eher die leistungsstärkeren Produkte, wodurch mehr krebserregende Schadstoffe aufgenommen werden. Eine neue Art des Konsums ist das „Direct Dripping“. Hierbei werden manuell einige Tropfen des Liquids direkt auf das Heizelement getropft. Durch die höhere Zufuhr des Liquids kommt es zu einer entsprechend höheren Dampfproduktion und dessen Anflutung im Rachen. Tropft der Nutzer aber zwischen den Atemzügen zu wenig Flüssigkeit nach können durch die fehlende Kühlwirkung des Liquds extrem hohe Temperaturen entstehen, was wiederum die Entstehung von die Gesundheit gefährdenden Substanzen stark erhöht.

E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung ungeeignet

Viele Raucher wechseln herkömmliche Tabakprodukte gegen E-Zigaretten mit der Begründung aus, sich das Rauchen abgewöhnen zu wollen. Die E-Zigarette stellt dabei aber kein sehr sinnvolles Hilfsmittel zur Entwöhnung des Rauchens dar, da sie das orale Ritual des Ziehens an der Zigarette aufrechterhält und damit einfach nur durch das Ritual des Dampfens ersetzt. Dies aktiviert im Gehirn das Suchtgedächtnis. Anstatt zur E-Zigarette zu greifen, sollten Raucher lieber entsprechende Kurse zur Raucherentwöhnung besuchen und so durch erfolgreichen Rauchstopp komplett rauchfrei werden.

 

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E-Zigaretten sind nicht weniger schädlich als normale Zigaretten

Fazit

E-Zigaretten bergen durchaus Gesundheitsgefahren. Dass E-Zigaretten die gesunde Form des Rauchens darstellen ist einer von vielen Rauchermythen. Im inhalierten Dampf befindet sich eine mehr oder weniger hohe Konzentration an gesundheitsschädlichen Substanzen. Je nach Benutzungsart können sie im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten weniger giftig sein, was aber nicht bedeutet, dass sie unschädlich sind. E-Zigaretten sollten also keineswegs als gesunde Alternative zum Rauchen abgetan und leichtgläubig konsumiert werden. Auch sie sind mit entsprechenden Gesundheitsgefahren verbunden. Die beste Lösung ist und bleibt der durch professionelle Raucherentwöhnung zu erreichende Rauchstopp. Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung könnten unterstützend eingesetzt werden. Rauchfrei durchs Leben zu Gehen ist für die Gesundheits das Beste.

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Dr. rer. nat. Yvonne Heilemann

Yvonne ist seit vielen Jahren in Wissenschaft und Forschung tätig. Mit aktuellen Studien und neuesten Erkenntnissen rund um die Themen Gesundheit, Rauchen und Ernährung kennt sie sich bestens aus. Gerne möchte sie ihr Wissen mit Euch teilen.